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| KUNST VERLASSEN 1 |
| Gestures of Disappearance |
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| Die Ausstellung zeichnet die Gesten und Haltungen von vier DeserteurInnen nach, die im politischen Klima der 10er sowie der späten 60er und frühen 70er Jahre die Festschreibungen der eigenen künstlerischen Handlungsräume aus der Fassung brachten. Ihr Handeln hatte dabei Anteil an der Sichtbarwerdung jener Zonen und Augenblicke, an deren Rändern die Kunst auszufransen beginnt. Ihre Gesten, die sich unmittelbar am eigenen Körper und am eigenen Leben formierten, artikulieren aus retrospektiver Sicht die spezifischen historischen Bedingungen einer politischen und sozialen sowie einer physischen und mentalen Existenz im Kunstfeld.
Chris Burden: der sein Verschwinden von der Bildfläche annonciert und die künstlerische Geste auf den Akt des schieren physischen Überlebens reduziert; Bas Jan Ader: der sehnsuchtsvolle Melancholiker, der sein Fallen und Scheitern ins Werk setzt und 1975 bei der Atlantiküberquerung mit einem kleinen Segelboot ums Leben kommt; Lee Lozano: die 1969 eine erfolgreiche Karriere als Malerin abbricht, sich selber Handlungsanweisungen für den Ausstieg aus der Kunst stellt und obendrein beschließt, für den Rest ihres Lebens mit keiner Frau je mehr ein Wort zu wechseln; Arthur Cravan: »Poet, Boxer und Vorbote Dadas«, der auf die Kunst flucht, seine Kollegen beleidigt und sein Publikum beschimpft, 1916 den Weltmeister im Schwergewicht herausfordert und 1918 im Golf von Mexiko spurlos verschwindet. Kunst verlassen: Deserteure und Zweifler, Verweigerer und Sehnsüchtige, vergebliche Revoluzzer, politische Wesen. In ihren Haltungen und Handlungen formulierten und lebten sie eine radikale Infragestellung ihrer Rolle als KünstlerIn. Was sie mit ihren Gesten zum Verschwinden brachten, war das Vertrauen in künstlerisches Schaffen und die Hoffnung auf das Gelingen künstlerischer Kreativität. Eine kleine, sentimentale Avantgarde, die sich – auf jeweils sehr spezifische Art – von einer Kunstwelt verabschiedete, die offensichtlich jede Hoffnung auf Erfüllung ihrer »maßlosen Bedürfnisse« (Cravan) längst lächerlich erscheinen ließ. Die Ausstellung ist eine Hommage an vier signifikante, zum Teil vergessene ProtagonistInnen der Kunst des 20. Jahrhunderts. Sie gibt Anlaß, dem Habitus der Selbstverständlichkeit sowie den Produktivitätsstandards und den Oberflächendiskursen einer weiterhin stetig wachsenden Zahl von KünstlerInnen – bei denen Arthur Cravan schon 1914 mühe hatte, »unter Ihnen auch nur einen einzigen Menschen zu finden« – erneut mit einiger Skepsis gegenüberzutreten. |