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Gehen III. Ulrich Polster
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29. Mai – 8. Juli 2001
//plattform// Berlin
kuratiert von Alexander Koch

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Ulrich Polster, Gehen III, 4-Kanal Video, 25 min, 2005


Ulrich Polsters künstlerische Praxis nimmt ihren Ausgangspunkt in der Leipziger und Berliner Experimentalfilmszene am Ende der achtziger Jahre. Diese stellte im ostdeutschen Feld kultureller Produktionen einen inoffiziellen Raum kritischer Distanzierung und Reflexion bereit, von dem aus mit Beginn der Neunziger vielfach eine Reformulierung künstlerischer und medialer Selbstverständnisse stattfand, für die Polsters Filme und Videoinstallationen der letzten 18 Jahre beispielhaft – und zugleich untypisch sind.

Bereits die frühen Super-8-Filme argumentieren über die dramaturgische Fragmentarisierung von Körpern und Räumen, die Aufspaltung sozialer Handlungszusammenhänge und politisch-identitärer Symbolkonstruktionen. Die Ausstellung zeigt mit »Metamorphosen« von 1988 ein Beispiel dieser Praxis. Die unterschiedlichen filmischen Verfahren, die Polster hier übereinander blendet, sind für seine Arbeit charakteristisch geblieben: der dokumentarische wie zugleich auch theatrale Gebrauch der Kamera, die Bedeutung der plastischen Arbeit am filmischen Material (Übermalung, Schnitt, Kopie, Collage), die formalen ikonografischen Anleihen an die Malerei, der choreographierte »musikalische« Schnitt (hier auf der Basis der »Cantaten« von Krzystof Penderecki).

Seit Mitte der neunziger Jahre und nach Studien in Leipzig, London und New York, entstehen zum Teil monumental dimensionierte Videoinstallationen. In Ihnen setzt sich das thematische und formale Moment der Fragmentarisierung fort, das aber – aufgefasst als strukturelles Dispositiv jeglicher Form von zeitgenössischer (und meist urbaner) Intersubjektivität – zunehmend mit einem spiritualisierten Bildraum konfrontiert wird, den Polster vor allem aus osteuropäischen Bild- und Filmtraditionen zieht.

»Gehen III«, Ulrich Polsters jüngstes, für die //plattform// entwickeltes Projekt, ist eine 5-Kanal-Videoinstallation. In der modellhaften Anordnung auf Kleinformatigen, im Raum verteilten Projektionsscheiben wird eine schnelle, nervös-präzis geführte Collage aus Bild- und Tonsequenzen verschiedener Provenienz aufgeführt. Mit Jean Luc Godards melancholischem Filmessay über die Zeit und die »letzten Momente« (»Dans le noir du temps«, 2002) werden eine cinematographische Collagetechnik und mit Sarah Kranes »Crave« von 1998 eine literarische Vorlage aufgegriffen und in die digitale Bildkombinatorik hinein geschaltet, die Polsters Arbeitern zu eigen ist. »Den Boden unter den Füssen verlieren« wird innerhalb dieser Kombinatorik als repetitive Leitmetapher von »Gehen III« so wörtlich und zugleich so generell genommen, dass der unauffällig diesem Verlust an Boden geschuldete Fall als das Kontinuum jenes zeitgemäßen sozialen Vergeblichkeitsempfindens vorgestellt wird, das Ulrich Polsters Arbeit seit den späten achtziger Jahren prägt.